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Martin Hollaus - Günther Röthlin - Jürgen Schreihofer | Praxiswissen | Fachbeitrag

4.5.20 Aktuelle Trends und Ausblicke

BIM

Als einer der großen Trends bei CAFM-Systemen lässt sich das Thema BIM ausmachen. Hier wird allerdings deutlich, wie unterschiedlich die Interpretationen des Terminus BIM (Building Information Modeling) eigentlich sind. Während CAFM-Hersteller seit langen Jahren für sich in Anspruch nehmen, den BIM-Gedanken zu leben, wird dieser von Planern und Ausführenden durchaus different interpretiert.

Heute gibt es starke Bestrebungen, die Daten eines Bauwerks von der Planung über den Bau und den Betrieb bis hin zum Abriss möglichst verlustfrei und aktuell durchzuschleusen.

Die Ansätze hierzu sind durchaus verschieden.Während von Planern und zum Teil von Ausführenden BIM(3D-)Modelle als Durchbruch gefeiert werden, sind Betreiber ob des enormen Pflegeaufwands und des Datenverlusts von 2D-Elementen durchwegs skeptisch. Klar ist aber, dass die Standardisierung, die auch im Planungs- und Baugewerbe hinsichtlich Modell- und Plandaten erfolgt,

den Betreibern jedenfalls entgegenkommt und garantiert, dass künftig die koordinierte Einforderung von Qualitätsdaten gesichert scheint.

Augmented Reality

Zahlreiche Ansätze im Bereich der Gebäudeinstandhaltung beschäftigen sich mit dem Thema Mixed Reality bzw Augmented Reality (AR). AR bedeutet, die Wirklichkeit mit zusätzlichen Informationen zu überlagern, dies funktioniert etwa mit speziellen Brillen (zB MS HoloLens) oder auch AR-fähigen Smartphones.

Damit ist es zB möglich, eine Wand mit den dahinterliegenden Leitungen zu überlagern oder aber auch einfach Anlagen in digitaler Form in die Wirklichkeit einzublenden und Wartungen digital, direkt während des Rundgangs, durchzuführen.

Einen ähnlichen Ansatz, allerdings technischer Standard und konsolidiert, ist der Einsatz von QR- oder Barcodes auf allen Anlagen. Über den Scan des Codes können direkt Informationen abgerufen, Aufträge generiert oder Wartungen abgeschlossen werden.

Künstliche Intelligenz

Die Definition von KI ist weit gefasst und umfasst unterschiedliche Levels der Intelligenz. Während KI niedrigerer Levels durchaus bereits länger verwendet wird, verbreiten sich KI höherer Levels und Big Data auch in CAFM-Produkten nun immer mehr.

Durch Machine Learning wird versucht, den Benutzer bei komplexen Aufgaben bestmöglich zu unterstützen. Dies beginnt bei Routing durch Gebäude, basierend auf Schlüsselvergabe, und geht bis zum Einsatz von Schwarmwissen hinsichtlich Normen und Richtlinien usw., zB welches Gerät braucht welche Wartungen/Kontrollen etc.

SAAS-(Software as a Service) und Cloud-Lösungen

Immer mehr Betreiber lagern den Betrieb von komplexer FM-Software aus und nützen die einzelnen Module nur übers Web oder über Cloud Services. Damit fallen oftmals sehr problematische Integrationsprozesse in die interne Softwarelandschaft weg und der Golive-Termin lässt sich bedeutend schneller realisieren. Zudem ist es wirtschaftlich für FM-Abteilungen oftmals günstiger, externe Dienstleister mit dem Betrieb zu beauftragen als die nötigen Ressourcen unternehmensintern anzumieten.

Ist es aber nun eine gute Idee, SAAS-Systeme oder Cloud-Systeme einzusetzen?

Ja und Nein. Natürlich sind die meisten Gebäudebetreiber zumindest regional verteilt tätig, meist aber national oder sogar international. Dies führt schlicht dazu, dass eigens gehostete Systeme oder Client-Server-Systeme gerade bezüglich der Datensicherheit sowie der Konformität hinsichtlich Datenschutzstandards einen gewissen Komplexitätsgrad aufweisen. Vor allem hinsichtlich Updates, Upgrades und ähnlichem weisen sie durchaus oftmals auch eine gewisse Trägheit auf. Dies alles fällt bei SAAS- und Cloud-Lösungen weg.

Wirklich problematisch werden diese eigentlich auch nur im Falle von länger andauernden Blackouts. Gerade dann werden die Daten aus den FM-Systemen aber benötigt. Deshalb gilt die Empfehlung, offline lauffähige Backup-Daten im Unternehmen bzw an einer weiteren, räumlich entfernten Stelle zur Verfügung zu haben.

Offline-Lösungen

Mobiles Arbeiten ist nach wie vor eines der großen Themen im Bereich CAFM-Software. Zum einen geht der Trend hin zu mobilen Anwendungen mit unterschiedlichen Geräten, zum anderen aber in die entgegengesetzte Richtung, zu Offline-Applications.

Fast alle Hersteller bieten diese auf die ein oder andere Art an, es ist hier jedoch Vorsicht geboten.

Der Betrieb von Offline-Anwendungen im Bereich ganzer Liegenschaften ist vor allem ein organisatorischer, denn wie geht man mit Datenänderungen um, während jemand anderer die Daten offline auf seinem Gerät mithat? Wie funktioniert der Weg zurück? Welche Änderungen sind die „stärkeren“? Wie so oft sind die organisatorischen Themen oftmals schwieriger zu lösen als die softwaretechnische Machbarkeit.

Einbindung externer Dienstleister

Immer öfter werden zahlreiche externe Dienstleister in die Auftragsabarbeitung der Systeme eingebunden. Hierfür gibt es komplexe, volldigitalisierte Prozesse, die Standardmedien wie E-Mail oder auch Nachrichtendienste aufgreifen. Mit deren Hilfe kön-

nen Aufträge automatisiert als erledigt rückgemeldet werden, auch zB unter der Verpflichtung, Dokumente wie Lieferscheine oder Fotos hochzuladen. Über Schnittstellen zum ERP-System können damit Zahlungsprozesse etc. in Gang gebracht werden. Dabei geht es also immer um das vollautomatische, digitale Durchschleifen von Daten zwischen unterschiedlichen Softwarewelten.