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Albert Scherzer | Glossar

Nationale Risikoanalyse

Nationale Risikoanalyse ist die systematische Bewertung der wesentlichen Risiken von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung auf Ebene eines Staates. Sie dient dazu, Gefährdungen nach Sektoren, Produkten, Kundenkategorien, Regionen und Typologien zu identifizieren, zu gewichten und daraus Prioritäten für Prävention, Aufsicht und Ressourcenallokation abzuleiten. Für Österreich hat die nationale Risikoanalyse eine doppelte Wirkung. Erstens liefert sie einen Referenzrahmen für Behörden, insbesondere für Aufsicht, Strafverfolgung und die Meldestelle, welche Risiken als besonders relevant angesehen werden. Zweitens wirkt sie mittelbar auf Verpflichtete, weil deren unternehmensbezogene Risikoanalyse und ihre internen Sicherungsmaßnahmen sich an den national identifizierten Risikotreibern orientieren sollen. In der Praxis bedeutet das, dass Verpflichtete die Erkenntnisse der nationalen Risikoanalyse nicht nur kennen, sondern auch in ihre eigenen Modelle übersetzen müssen, etwa in Länder- und Branchenrisikogewichte, in Typologieindikatoren für Monitoring und in Prioritäten für Schulungen. Nationale Risikoanalysen sind dynamische Dokumente. Sie werden aktualisiert und verändern damit den Erwartungshorizont der Aufsicht. Daraus folgt die Pflicht zur laufenden Anpassung interner Prozesse und zur dokumentierten Begründung, wenn ein Verpflichteter von den nationalen Schwerpunktsetzungen abweicht.