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Theres Scheiblauer - Claudia Throm | Praxiswissen | Fachbeitrag

1.3 Mobbing und Cybermobbing unter Jugendlichen

In der Literatur wird oftmals zwischen den Begriffen Mobbing und Bullying unterschieden, wobei sich Bullying auf dasselbe Phänomen wie Mobbing bezieht, aber nicht unter Erwachsenen, sondern unter Kinder und Jugendlichen. Da im englischsprachigen Raum der Begriff Bullying für diese Art des Mobbings verwendet wird, taucht dieser auch immer wieder in deutschsprachiger Literatur auf. Hier soll keine Unterscheidung der beiden Begriffe vorgenommen werden, im Folgenden wird der Begriff des Mobbings verwendet.

Mobbing und Cybermobbing im Schulkontext

Immerhin 42 % aller österreichischen Jugendlichen geben an, schon einmal Erfahrung mit Cybermobbing gemacht zu haben, 17 % sagen sogar, dass sie selbst schon einmal Opfer von eben jener Mobbingart waren, das ist jede und jeder sechste Jugendliche. Ein starker Anstieg von Cybermobbing konnte während der COVID-Lockdowns verzeichnet werden. Die Schulen waren über lange Zeiträume geschlossen und die Kommunikation zwischen Kindern und Jugendlichen lief vollständig auf digitalen Kanälen ab. Durch das Homeschooling hatten die Opfer keine Möglichkeit, ihrem Empfinden Ausdruck zu verleihen – weder durch das direkte Gespräch mit den Täter:innen noch durch Gespräche mit Lehrer:innen oder anderen Vertrauenspersonen im Schulkontext • [Fußnote: Saferinternet, Studie: Cyber-Mobbing, 2022..

Cybermobbing unter Jugendlichen kann durch verschiedene Formen von Drohungen, Demütigungen oder Beleidigungen gekennzeichnet sein. Häufig werden Kinder und Jugendliche bewusst von Mitschüler:innen ausgewählt und dann schikaniert und ausgeschlossen. Das Opfer wird dann aus gemeinsamen Klassen-WhatsApp-Gruppen entfernt und dadurch isoliert. Ein weiteres häufiges Phänomen ist es, dass Hassgruppen auf WhatsApp oder anderen Messenger-Diensten erstellt werden, in denen Fotos oder Memes des Opfers gemeinsam mit Beschimpfungen und Lügengeschichten geteilt werden. Das Opfer selbst ist nicht Teil der Gruppe, wird aber von seinen Peiniger:innen bewusst darüber informiert, dass diese Gruppe existiert. Eine Vielzahl von Opfern berichten auch von Fake-Profilen, die sich als sie selbst ausgeben, aber von den Täter:innen erstellt wurden. Auf diesen werden dann Inhalte gepostet, die vermeintlich das Opfer selbst geschrieben oder hochgeladen habe. Diesen Identitätsdiebstahl nennt man Impersonation.

Die Folgen, die sich für das Opfer daraus ergeben, sind Isolation, Angst, Kränkung und ein zerstörtes Selbstbewusstsein. Da sich die Demütigungen in den meisten Fällen nicht rein auf den Cyberbereich beschränken, sondern sich in der Schule fortsetzen, leiden Opfer oftmals unter Schulangst, die sich in psychosomatischen Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen manifestiert. Betroffene bleiben dann oftmals krank zu Hause oder schwänzen ohne das Wissen ihrer Eltern die Schule, was wiederum zu einem Leistungsabfall und im schlimmsten Fall sogar zu einem Wiederholen des Schuljahres oder einem Schulabbruch führen kann. Die psychischen Folgen von (Cyber-)Mobbing sind weitreichend: Angststörungen, Depressionen, Bindungsängste und Traumata können auftauchen. Im schlimmsten Fall führt Mobbing bei den Opfern zu Selbstverletzungen oder sogar Suizid. Ein Fall, der vor einigen Jahren traurige Berühmtheit erlangt hat, ist der von Joel.

Beispiel: Joel

Am 14. Mai 2009 beging der damals 13-jährige Österreicher Joel Horn Suizid, nachdem er in der Schule und auf Facebook wiederholt und über einen längeren Zeitraum hinweg gemobbt wurde. Seine Eltern hatten den Leidensdruck ihres Sohnes nicht rechtzeitig bemerkt und konnten ihm nicht mehr helfen. Mobbingopfer, sowohl Kinder als auch Erwachsene, behalten die Vorfälle und die damit einhergehende Gefühlslage oftmals für sich – aus Scham oder aus Angst, dass die Situation noch schlimmer werde, wenn sich Außenstehende oder Eltern einmischen würden. Dies macht es umso wichtiger, dass Schulkolleg:innen, Lehrer:innen, Eltern und andere Vertrauenspersonen geschult werden, wachsam zu sein und ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wie man Anzeichen von Mobbing bemerken kann. Mittlerweile ist die Auseinandersetzung mit (Cyber-)Mobbing ein integraler Bestandteil vieler Schulen, 2009 hat das noch anders ausgesehen.

Die Täter:innen schikanierten Joel einerseits in der Schule, andererseits über Facebook. Sie beschimpften ihn wegen seiner Figur, machten sich hinter seinem Rücken über ihn lustig und verleumdeten ihn. Ein Posting eines anonymen Users auf Facebook war für den 13-Jährigen dann zu viel. Es zeigte pornografische Inhalte zwischen Homosexuellen und Joel machte sich große Sorgen darüber, wer dies sehen würde und welche Konsequenzen das für ihn haben würde. An diesem Abend nahm er sich schließlich das Leben. Die Täter:innen konnten weder ausgeforscht noch belangt werden. Nicht einmal das entscheidende Posting auf Joels Facebook-Seite, das ihm wenige Stunden vor seinem Suizid jemand anonym auf die Pinnwand geschrieben hatte, konnte gelöscht werden. Facebook weigerte sich und berief sich darauf, eine entsprechende gerichtliche Entscheidung zu benötigen, um in diesem Fall handeln zu können.

Joels Mutter verschrieb sich daraufhin dem Kampf gegen Cybermobbing und kämpfte für ein Gesetz, das Cybermobbing verbietet und unter Strafe stellt. Knapp sieben Jahre nach Joels Tod, am 1. Jänner 2016, trat dieses unter dem Namen „Fortdauernde Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems” in Kraft.