© FM Forum Business Solutions GmbH
A-1200 Wien, Dresdner Straße 45
E-Mail: kundenservice@forum-media.at
6.1.3 Psychische Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen
Anders als physische Gewalt ist psychische Gewalt nicht sichtbar, und damit auch für die Betroffenen oft schwer zu erkennen. So schreibt Atis-Andreia Comănită in ihrem Fachbeitrag „Psychische Gewalt“ (https://www.forum-media.at/gewaltschutz/#1994835): „Nicht selten haben Betroffene Schwierigkeiten damit, das Erlebte als eine Form von Gewalt einzuordnen.“ Für Menschen mit Behinderungen ist dies von besonderer Bedeutung, da zum einen psychische Gewalt die häufigste Gewaltform ist, der sie ausgesetzt sind (vgl https://gmr.lbg.ac.at/news/gewalt-an-menschen-mit-behinderungen-forschungsergebnisse/), und ihnen zum anderen besonders häufig abgesprochen wird, dass es sich bei den erlebten Übergriffen tatsächlich um Gewalt handelt. Wichtig ist hier wieder die Verbindung zu den Themen Ableismus und strukturelle Gewalt: In einer Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderungen nicht als grundsätzlich gleichwertig wahrgenommen und behandelt werden, ist es für potenzielle Täter:innen noch leichter, die Grenzen zur Gewalt zu verwischen. Menschen mit Behinderungen erleben von Kindheit an verschiedenste Formen von psychischer Gewalt (angefangen von sozialer Ausgrenzung und Mobbing über das Ignorieren von Grundbedürfnissen [wie zB sexueller Bildung] bis hin zu Ausgrenzung und Entwertung, die in allen Bereichen des Alltags vorkommen können), die sich oft bis ins hohe Erwachsenenalter fortsetzen. Wie auch bei den anderen Gewaltformen sind natürlich Menschen mit Behinderungen nicht ausschließlich von psychischer Gewalt aufgrund der Behinderung betroffen, sondern auch von allen Gewaltformen, die nichtbehinderte Menschen erleben müssen. Beispiele dafür sind psychische Gewalt im häuslichen Bereich und im Familienzusammenhang, aber auch strukturelle Formen psychischer Gewalt wie etwa Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Migrationshintergrund oder sozialer Herkunft. Gerade in Bezug auf psychische Gewalt gegen Menschen mit Behinderungen ist es wichtig, die intersektionale Dimension in den Blick zu nehmen, da nur so die Problemlage in ihrer Gesamtheit erfasst werden kann, um daraus wirksame Gegenstrategien zu entwickeln.