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Schrittweises Arbeiten
Komplexe juristische Aufgaben sollten selten mit einem einzigen Großprompt bearbeitet werden. Ein schrittweises Vorgehen verbessert Transparenz, Qualität und Kontrollierbarkeit.
Statt sofort zu fragen: „Erstelle eine vollständige Klage“, ist es meist sinnvoller, den Weg dorthin in überprüfbare Arbeitsschritte zu gliedern.
Das Prinzip: Erst verstehen, dann strukturieren, dann formulieren
Ein bewährter Ablauf sieht so aus:
- Material erfassen: Welche Tatsachen und Dokumente liegen vor?
- Sachverhalt strukturieren: Was ist unstrittig, streitig oder unklar?
- Rechtsfragen bestimmen: Welche Teilfragen müssen geklärt werden?
- Recherche vorbereiten und durchführen: Welche Quellen sind zu prüfen?
- Argumente entwickeln: Was spricht für und gegen die jeweilige Position?
- Entwurf erstellen: Welche Struktur und welche Aussagen sind angemessen?
- Qualität kontrollieren: Stimmen Tatsachen, Quellen, Fristen und Schlussfolgerungen?
Die KI kann einzelne dieser Schritte unterstützen. Die verantwortliche juristische Person steuert jedoch Reihenfolge, Tiefe und Prüfung.
Beispiel: Schrittweise Vertragsprüfung
Schritt 1: Überblick schaffen
Fasse den bereitgestellten Vertrag in maximal zehn Stichpunkten zusammen. Nenne Parteien, Vertragsgegenstand, Laufzeit, Kündigung, Vergütung, Haftungsregelungen, Gewährleistung, Geheimhaltung, Datenschutz sowie anwendbares Recht und Gerichtsstand, soweit im Text vorhanden.
Wenn ein Punkt fehlt oder unklar ist, schreibe „nicht ersichtlich“ oder „unklar“. Erfinde keine Inhalte.
Schritt 2: Risikofelder erkennen
Erstelle auf Basis der vorherigen Zusammenfassung eine Liste jener Vertragsfelder, die aus Sicht der Käuferin besondere Risiken oder Verhandlungsbedarf auslösen könnten. Trenne zwischen:
- ausdrücklich geregelten Risiken,
- fehlenden Regelungen,
- unklaren Regelungen,
- Punkten, die weitere Tatsacheninformationen erfordern.
Schritt 3: Verhandlungsoptionen entwickeln
Erstelle für die drei wichtigsten Risiken jeweils zwei bis drei mögliche Verhandlungsoptionen. Formuliere diese als Themen für die weitere juristische Bearbeitung, nicht als abschließend rechtssichere Ersatzklauseln.
Schritt 4: Klauselvorschlag vorbereiten
Erst nach fachlicher Entscheidung über die gewünschte Verhandlungsposition kann ein Entwurf angefordert werden:
Formuliere einen ersten Klauselvorschlag zur Haftungsbegrenzung entsprechend den folgenden Vorgaben: [Vorgaben]. Kennzeichne den Text als Arbeitsentwurf.
Verwende keine Norm- oder Judikaturzitate, sofern sie nicht ausdrücklich bereitgestellt wurden.
Beispiel: Schrittweise Vorbereitung eines Schriftsatzes
Schritt | KI-Unterstützung | Menschliche Verantwortung |
Sachverhalt erfassen | Chronologie und Faktenübersicht | Tatsachen prüfen, Prioritäten setzen |
Streitpunkte erkennen | Offene Fragen und Behauptungen sammeln | Prozessstrategie bestimmen |
Recherche vorbereiten | Rechtsfragen und Suchbegriffe entwickeln | Quellen recherchieren und verifizieren |
Argumentation strukturieren | Gliederung und Gegenargumente vorschlagen | Rechtsansicht und Beweisanbote festlegen |
Entwurf erstellen | Rohfassung nach klarer Gliederung | Tatsachen, Recht, Fristen und Ton vollständig prüfen |
Freigeben | Checkliste unterstützen | Verantwortung für Einbringung oder Versand |
Zwischenstände bewusst prüfen
Schrittweises Arbeiten schafft natürliche Kontrollpunkte. Nach jedem wichtigen Schritt kann gefragt werden:
- Ist die Sachverhaltsgrundlage richtig?
- Fehlen wesentliche Dokumente?
- Wurde die Aufgabenstellung zu weit oder zu eng gefasst?
- Sind Tatsachen und rechtliche Wertungen getrennt?
- Muss zunächst recherchiert werden, bevor weiterformuliert wird?
So wird verhindert, dass ein Fehler am Beginn unbemerkt in einen langen Entwurf übernommen wird.