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Das Kritikgespräch
In erster Linie werden Kritikgespräche – oft auch Feedbackgespräche genannt – geführt, wenn der Lehrling sich etwas zuschulden kommen hat lassen. Sie können aber auch in regelmäßigen Abständen anberaumt werden, um dem Lehrling eine Rückmeldung über seine Leistung, sein Verhalten und seine Entwicklung zu geben. Diese Gespräche sind wichtig, denn Jugendliche haben manchmal eine verzerrte Wahrnehmung. Sie brauchen Kritik – positive sowie negative –, um sich selbst einschätzen zu lernen. Unter Kritik versteht man zunächst negative Rückmeldungen. Allerdings sind diese bei Jugendlichen, die sensibler reagieren als Kinder und Erwachsene, mit Feingefühl anzubringen. Durch einen Einstieg in das Gespräch, der Interesse zeigt, und eine Vermischung mit positivem Feedback kann der Lehrling Kritik besser aufnehmen. Die Kunst liegt also darin, zu sagen, was Sie sehen, ohne zu verletzen.
Gliederung des Kritikgesprächs
- Terminabsprache mit dem Lehrling
- Vorbereitung
- Einleitung
- Gespräch
- Verbesserungen verbindlich festlegen
1. Terminabsprache mit dem Lehrling
Im Gegensatz zu spontanem Feedback benötigen Sie für ein Kritikgespräch einen Termin, zu dem Sie Ruhe und Zeit mitbringen (siehe 7.1.1.1). Üben Sie nicht „zwischen Tür und Angel“ Kritik. Das demütigt den Lehrling vor den Zuhörern und er verschließt sich. Sprechen Sie den Termin mit dem Lehrling ab und informieren Sie ihn, dass ihn ein offenes und konstruktives Gespräch erwartet und er Gelegenheit erhält, zu Vorkommnissen und Leistungen Stellung zu nehmen. Dies scheint übertrieben vorsichtig, allerdings wollen Sie doch ein konstruktives Gespräch führen und nicht sofort gegen Widerstand kämpfen oder Rechtfertigungen über sich ergehen lassen.
2. Vorbereitung
- Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor, gehen Sie die einzelnen Punkte durch und überlegen Sie sich Formulierungen. Gerade das reine Beschreiben des Verhaltens muss durchdacht sein, da man die unterschwellige Anklage selten beim ersten Versuch vermeiden kann. Versetzen Sie sich in den Lehrling.
- Warten Sie nach einem Vorfall nicht zu lange, um das Gespräch zu führen. Je nach Temperament sollte eine Nacht „Schlaf zur Beruhigung“, aber nicht mehr als drei Tage zum „Gras drüber wachsen lassen“ vergehen.
- Überlegen Sie, welche Kritikpunkte Sie vorbringen wollen. Sind diese angemessen und wahr? Sie haben das zu kritisierende Verhalten selbst gesehen oder mehrere Personen dazu befragt?
- Sind die Kritikpunkte neu? Gebetsmühlenartig immer das Gleiche zu erzählen, hat wenig Effekt – zeigen Sie die Entwicklung auf.
- Wie viel Kritik kann der Lehrling aufnehmen? Sogar ein extrem selbstbewusst wirkender Jugendlicher hat eine Schmerzgrenze. Sie sind eine Bezugsperson, die man beeindrucken will – gerade negative Rückmeldungen lösen Scham aus.
3. Einleitung
- Starten Sie das Gespräch mit einem Austausch über die Befindlichkeit oder Interessen des Lehrlings. Das entspannt die Atmosphäre.
- Führen Sie das Gespräch auf Augenhöhe, mit Respekt und Wohlwollen.
- Vermeiden Sie Spott, Ironie, Vorwürfe und Schuldzuweisungen, genauso wie Lebensweisheiten.
- Nennen Sie zunächst ein positives Verhalten oder eine Entwicklung und kehren Sie auch im Gespräch wieder zu guten Leistungen zurück. Damit zeigen Sie, dass Sie den Lehrling als Ganzes – auch seine positiven Seiten – sehen. Das bewirkt Akzeptanz.
4. Gespräch
- Bringen Sie Ihren persönlichen Blickwinkel zum Ausdruck, zB „Ich habe bemerkt, dass …“ statt: „Du hast …“. Das entschärft die Aussage. Versuchen Sie, eine ganz konkrete Beobachtung, eine konkrete Situation zu schildern.
- Beschreiben Sie jegliches Verhalten konkret und sachlich, ohne Wertung oder Verallgemeinerung, zB „Mir ist aufgefallen, dass Sie sich gestern Vormittag nicht am Lehrgespräch beteiligt haben.“ statt „Sie passen nie auf.“.
- Kritisieren Sie auch nur Verhalten oder falsche Arbeitsschritte und nicht den Lehrling an sich. Die Forschung zeigt, dass jegliche Kritik an der Person selbst negative Auswirkungen hat. Unterdrücken Sie daher Aussagen wie „Sie Schlafmütze!“.
- Lassen Sie den Lehrling zu Wort kommen und gehen Sie auf Gesagtes ein. Sollten nur Rechtfertigungen geäußert werden, können Sie sie abstellen mit: „Ich mache Ihnen keine Vorwürfe, ich wollte nur, dass Sie mir zuhören und darüber nachdenken.“
5. Verbesserungen verbindlich festlegen
- Sagen Sie konkret, was Sie sich bis wann erwarten und welche Verhaltensänderungen Sie sich wünschen. Fragen Sie den Lehrling, ob dies für ihn möglich ist oder ob er Hilfestellungen dazu benötigt.
- Fassen Sie die einzelnen Abmachungen am Schluss zusammen. Um Verbindlichkeit herzustellen und Ihr Vertrauen in das Verbesserungspotenzial zu zeigen, haben Sie zwei Möglichkeiten:
- Sie halten die Ergebnisse und die Termine schriftlich fest und unterschreiben beide.
- Sie halten die Ergebnisse nicht schriftlich fest (nicht vor dem Lehrling, aber später, wenn Sie eine Gedächtnisstütze benötigen), sondern besiegeln sie mit einem Händedruck.