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Redaktion FORUM Media | Praxiswissen | Fachbeitrag

Krank oder nicht krank?

Die kindlichen Normwerte der Lebensfunktionen unterscheiden sich beträchtlich von denen eines Erwachsenen. Normale Pulsfrequenzen reichen von 160 Schlägen pro Minute bei einem Neugeborenen bis zu 60 Schlägen pro Minute bei einem Jugendlichen (18 Jahre). Die Atemfrequenzen von 50 pro Minute bis zu 16 Atemzügen pro Minute unterscheiden sich ebenfalls außerordentlich. Die Interpretation und Bewertung dieser Parameter ist für den Laien ohne besondere Kenntnisse über die altersgerechte Entwicklung und Normwerte nur schwer durchführbar.

Neben den klassischen Kinderkrankheiten, bei denen die Betreuung durch einen Hausarzt meistens ausreicht, kommt es im Kindesalter immer wieder zu Erkältungen, grippalen Infekten, Magenverstimmungen und anderen Beschwerden, welche keine ernsthafte Gefahr darstellen.

Plötzlich eintretende Veränderungen der vitalen Körperfunktionen (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) deuten auf ernsthafte Erkrankungen hin. Erste Hinweise auf eine Erkrankung bietet der Gesamteindruck des Kindes.

Weitere Zeichen für ein ernsthaft erkranktes Kind

sind:

  • Muskelspannung: Bewegt sich das Kind oder ist es schlaff?
  • Interaktivität: Reagiert das Kind adäquat auf Reize seiner Umwelt?
  • Tröstbarkeit: Lässt sich das Kind von Vertrauenspersonen (zB Eltern) beruhigen?
  • Sprache: Spricht das Kind normal oder sind die Sätze abgehackt? Klingt das Kind heiser oder kloßig?

Hinweis:

Die Reaktionen unterscheiden sich je nach Alter. Beachten Sie, dass die erwarteten Reaktionen auch zur Altersklasse des Kindes passen sollen.

Folgende Symptome deuten auf eine bedrohliche Entwicklung einer Erkrankung hin:

  • Veränderte Bewusstseinslage
  • Bewusstlosigkeit
  • Extreme Abweichung von der normalen Atemfrequenz
  • Erschwerte Atmung und Einsatz der Atemhilfsmuskulatur (Aufstützen mit beiden Armen, um das Atmen zu erleichtern)
  • Einziehungen der Zwischenrippenmuskulatur
  • Blauverfärbung der Haut (Lippen, Schleimhäute) oder/und auffällig blasse, marmorierte Haut auch am Körperstamm
  • Hohes Fieber

Das Erscheinungsbild, das Verhalten und die Körperhaltung des Kindes ermöglichen Rückschlüsse auf die Atemarbeit und somit auf die Sauerstoffversorgung sowie auf die Kreislaufsituation. Sind sogar für den medizinischen Laien im Erscheinungsbild Veränderungen bei der Atmung und bei der Hautdurchblutung erkennbar, ist das Kind ernsthaft erkrankt!

Hinweis:

Liegt bereits eine Störung einer vitalen Lebensfunktion (Bewusstsein, Atmung, Kreislauf) vor, befindet sich das Kind in akuter Lebensgefahr.

Entscheidungshilfen

Wenn sich ein Kind bzw ein Schüler verletzt oder akut erkrankt, muss der Lehrer oder die Aufsichtsperson entscheiden, ob sofort ärztliche Versorgung erforderlich ist (ob ein Rettungsdienst zu alarmieren ist) oder ob eine medizinische Nachversorgung durch einen Arzt benötigt wird.Auch wenn man sich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen kann, muss man berücksichtigen, dass es immer am besten ist, vorsichtig und überlegt Entscheidungen zu treffen, um im besten Interesse des Kindes/Schülers zu handeln.

Die folgenden ernsten Anzeichen und Symptome indizieren die Notwendigkeit, sofortige medizinische Hilfe zu veranlassen und einen Rettungsdienst zu alarmieren:

  • Nicht ansprechbares Kind/nicht ansprechbarer Schüler
  • Der Bewusstseinszustand verschlechtert sich während der Versorgung.
  • Verwirrung oder Veränderung des Bewusstseinszustandes
  • Ohnmacht, plötzliche Benommenheit und Schwäche
  • Schwierigkeiten beim Atmen, Kurzatmigkeit
  • Schmerzen oder Druck im Brustkorb oder Bauch
  • Plötzliche Veränderung des Sehvermögens
  • Plötzlich auftretende starke Schmerzen
  • Unkontrollierbare Blutungen
  • Aufhusten von Blut oder Erbrechen von Blut
  • Schweres oder dauerhaftes Erbrechen oder Durchfall
  • Allergische Reaktionen
  • Bienen-/Wespenstich im Mund- und Rachenbereich
  • Massive Verletzungen im Bauchbereich (Gefahr einer Leber- oder Milzruptur!)
  • Vermutete Wirbelsäulenverletzung
  • Suizidale oder gemeingefährliche Handlungen/Gefühle

Situationen, bei der ein Lehrer oder eine Aufsichtsperson für zusätzliche medizinische Versorgung sorgen sollte:

  • Wenn die Verletzung oder Erkrankung mehr als nur Erste-Hilfe-Basismaßnahmen erfordert
  • Wenn Sie sich bei der Einschätzung und Behandlung unsicher sind (sich nicht wohlfühlen)
  • Wenn mehrere Kinder/Schüler betroffen sind

Hinweis:

Jede Verletzung/Erkrankung, die mehr als Erste-Hilfe-Basismaßnahmen verlangt, muss medizinisch abgeklärt werden.