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Albert Scherzer | Glossar

Lastschwankung

Als Lastschwankung bezeichnet man Veränderungen in der elektrischen Leistungsabnahme innerhalb eines Stromversorgungssystems. Die Gesamtlast in einem Stromnetz ist keine konstante Größe – sie unterliegt tageszeitlichen Rhythmen (zB steigt der Verbrauch morgens und abends an und sinkt in der Nacht) sowie kurzfristigen Ausschlägen durch das Ein- oder Ausschalten großer Verbraucher. Auch unerwartete Ereignisse, wie der plötzliche Ausfall eines Industrieverbrauchers oder das gleichzeitige Einschalten vieler Geräte (etwa zur vollen Stunde), können zu Lastsprüngen führen. Solche Schwankungen der Netzlast wirken sich unmittelbar auf das Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch aus: Wird plötzlich mehr Leistung abgenommen als erzeugt, fällt die Netzfrequenz unter den Sollwert (50 Hz in Österreich), während bei Überangebot die Frequenz steigt. Um die Versorgungssicherheit und die Stabilität des Stromnetzes zu gewährleisten, müssen Lastschwankungen in Echtzeit ausgeglichen werden. Diese Aufgabe übernehmen die Übertragungsnetzbetreiber (in Österreich die Austrian Power Grid, APG) mittels automatischer Regelmechanismen. So halten Kraftwerke und Speicher (zB Pumpspeicherkraftwerke) eine Regelleistung bereit, um bei Lastanstieg sofort zusätzliche Energie einzuspeisen oder bei Lastabfall Erzeugung zurückzufahren. Dieser Prozess – Primär- und Sekundärregelleistung – korrigiert Frequenzabweichungen meist innerhalb von Sekunden bis Minuten. Lastschwankungen spielen auch in der Planung der Netzinfrastruktur eine Rolle: Netze und Transformatoren müssen auf kurzzeitige Lastspitzen ausgelegt sein, um Überlastungen zu vermeiden. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien (zB Solar- und Windstrom, die selbst schwankende Einspeisungen haben) nehmen die Anforderungen an das Lastmanagement weiter zu. In Österreich wird daher verstärkt auf intelligente Netze (Smart Grids) gesetzt, die durch Steuerung von Verbrauchern (Demand Response) und Speichern die Auswirkungen von Lastschwankungen abfedern. Insgesamt sind Lastschwankungen ein normaler Bestandteil des Betriebs eines Stromnetzes, der durch vorausschauende Steuerung und ausreichend Reserveleistung beherrscht werden muss, um Frequenzstabilität und Spannungshaltung sicherzustellen.