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Sophie Rendl | Glossar

Stand der Technik

Die Elektrotechnik blickt auf eine lange Geschichte dokumentierter technischer Standards und Regelungen zurück. Schon 1889 veröffentlichte der Elektrotechnische Verein Wien Sicherheitsvorschriften, um den sicheren Umgang mit Elektrizität zu gewährleisten. Heutzutage umfasst das Normenwerk der Elektrotechnik rund 6.000 Publikationen. Der Stand der Technik wird durch technische Regeln definiert, die bewährte und erprobte Lösungen zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellen.

Eine anerkannte Regel der Technik wird von der Mehrheit der Fachleute als gültig angesehen und bildet einen wesentlichen Bestandteil der elektrotechnischen Arbeitsgrundlagen. Sie dient als gemeinsame Kommunikationsbasis. Normative Dokumente können Normen, technische Spezifikationen, behördliche Vorschriften oder Praxisanleitungen umfassen.

In der Elektrotechnik werden EU-Richtlinien in Österreich flexibel über Verordnungen wie die Niederspannungsgeräteverordnung oder die EMV-Verordnung umgesetzt. Diese Richtlinien betreffen hauptsächlich Betriebsmittel, während elektrische Anlagen oft durch nationale Regelungen wie die Elektrotechnikverordnung (ETV) geregelt sind. Die ETV legt grundlegende Sicherheitsanforderungen fest, ohne dabei spezifische Normen vorzuschreiben, um Innovationen nicht zu behindern.

Die ETV 2020 führt eine kürzere Liste verbindlicher Normen ein, wobei österreichische elektrotechnische Normen und Referenzdokumente verpflichtend sind. Anhang II der ETV enthält eine Liste der kundgemachten Normen und Referenzdokumente, deren Anwendung als Erfüllung der Sicherheitsanforderungen gilt. Bei deren Nichtanwendung ist eine Risikobeurteilung erforderlich. Grundsätzlich stellen Normen Mindestanforderungen dar, und es dürfen bessere technische Lösungen gewählt werden.