3.3 Scham nehmen und Vertrauensverhältnis aufbauen
Jede Art von erlebter Gewalt wird individuell (abhängig von ua Alter, Kognition, Persönlichkeitstypus, kultureller und sozialer Prägung, Erziehung) wahrgenommen und verarbeitet. Dies führt wiederum zu unterschiedlichen Verhaltensmustern in der Reaktion auf Gewalt bzw das zugefügte Trauma. Eine Emotion, die sich allerdings häufig in Zusammenhang mit Gewalterfahrung zeigt, ist die Scham. Diese wird von traumatisierten Menschen zumeist empfunden, „weil sie selbst in den fraglichen Situationen Dinge getan oder nicht getan haben. Sie verachten sich […]“. • [Fußnote: Van Der Kolk, Verkörperter Schrecken (2019), S 22.] Der Duden beschreibt Scham als „durch das Bewusstsein, (besonders in moralischer Hinsicht) versagt zu haben, durch das Gefühl, sich eine Blöße gegeben zu haben, ausgelöste quälende Empfindung“. • [Fußnote: Duden, https://www.duden.de/rechtschreibung/Scham#Bedeutung-1] Es erscheint irrelevant, wodurch das Schamgefühl ausgelöst worden ist. Allein das Erleben des Gefühls, versagt bzw sich bloßgestellt zu haben, erzeugt eine quälende Empfindung, die bis zur Selbstverachtung führen kann.