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Iris Muche | Praxiswissen | Fachbeitrag

Anzeichen von Gewalt erkennen

Anzeichen dafür, dass jemand Gewalt ausgesetzt ist, können sowohl physisch als auch psychisch sein. Sie können sich in Verhaltensänderungen, körperlichen Symptomen und sozialen Rückzügen äußern. Hier sind einige der häufigsten Anzeichen, auf die man achten sollte:

Physische Anzeichen • [Fußnote: Malteser (2024).

Diese sind oft die offensichtlichsten Hinweise auf körperliche Gewalt, können aber auch versteckt oder heruntergespielt werden. Dabei handelt es sich möglicherweise um:

  • Ungewöhnliche Verletzungen: Hämatome, Schnittwunden, Verbrennungen oder andere Verletzungen, die nicht eindeutig erklärt werden können oder sich häufig wiederholen. Besonders verdächtig sind Verletzungen an verdeckten Stellen wie am Rücken, Oberarmen oder Oberschenkeln.
  • Vernarbungen und Heilungswunden: Mehrere alte oder schlecht verheilte Verletzungen können darauf hindeuten, dass die Person wiederholt Gewalt ausgesetzt war.
  • Erklärungen, die nicht zusammenpassen: Wenn jemand häufig Verletzungen hat und die Erklärungen dazu nicht plausibel oder widersprüchlich erscheinen.

Psychische Anzeichen • [Fußnote: Gofeminin (2024).

Gewaltopfer zeigen oft Verhaltensänderungen, die auf psychische Belastungen hinweisen.

  • Angst und Nervosität: Übermäßige Angst vor bestimmten Personen, besonders wenn diese sich in der Nähe befinden. Unruhe und eine übermäßige Schreckhaftigkeit können ebenfalls Hinweise sein.
  • Depression und Rückzug: Ein plötzlicher Rückzug von Freunden, Familie oder sozialen Aktivitäten sowie Anzeichen von Depression, wie anhaltende Traurigkeit, Müdigkeit oder Interessenverlust
  • Selbstverletzendes Verhalten: Manche Gewaltopfer greifen zu selbstverletzendem Verhalten, um mit ihrem Schmerz umzugehen. Dies kann in Form von Schneiden, Verbrennen oder anderen Selbstverletzungen geschehen.
  • Niedriges Selbstwertgefühl: Gewaltopfer neigen dazu, ein vermindertes Selbstwertgefühl zu entwickeln, was sich in negativen Äußerungen über sich selbst oder in einem allgemeinen Gefühl von Wertlosigkeit zeigen kann.

Verhaltensänderungen • [Fußnote: Malteser (2024).

Plötzliche oder ungewöhnliche Änderungen im Verhalten können ein Hinweis auf erlittene Gewalt sein.

  • Aggressives oder defensives Verhalten: Manche Opfer reagieren mit erhöhter Aggressivität oder sind sehr defensiv, insbesondere bei bestimmten Themen oder in bestimmten Situationen.
  • Hypervigilanz: Ein erhöhtes Maß an Wachsamkeit und das Gefühl, ständig auf der Hut sein zu müssen, kann ein Zeichen für erlebte Gewalt sein.
  • Vermeidung bestimmter Personen oder Orte: Wenn eine Person plötzlich beginnt, bestimmte Orte, Personen oder Situationen zu vermeiden, könnte dies darauf hindeuten, dass sie dort Gewalt erfahren hat.

Soziale Anzeichen

Soziale Veränderungen können ebenfalls auf Gewalt hinweisen.

  • Isolation: Das Opfer zieht sich zunehmend zurück und verliert den Kontakt zu Freunden und Familie. Dies kann durch den Täter erzwungen werden, um die Kontrolle über das Opfer zu behalten.
  • Plötzliche finanzielle Probleme: Gewaltopfer, besonders in Fällen von häuslicher Gewalt, können plötzlich finanzielle Schwierigkeiten haben, weil der Täter oder die Täterin die Kontrolle über ihr Geld übernimmt.
  • Verändertes Erscheinungsbild: Ein vernachlässigtes Äußeres, abgenutzte Kleidung oder ein plötzlicher Wechsel zu weniger auffälliger Kleidung können Anzeichen dafür sein, dass die Person versucht, weniger Aufmerksamkeit zu erregen.

Körperliche Anzeichen ohne offensichtliche Verletzungen

Auch ohne sichtbare Verletzungen können körperliche Beschwerden auf Gewalt hinweisen.

  • Chronische Schmerzen: Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen ohne medizinische Erklärung können psychosomatische Reaktionen auf Gewalt sein.
  • Schlafstörungen: Probleme wie Einschlafschwierigkeiten, häufiges Aufwachen oder Albträume können Anzeichen dafür sein, dass eine Person unter extremem Stress oder unter Angst leidet.
  • Essstörungen: Plötzliche Gewichtszu- oder -abnahme, Appetitlosigkeit oder Essanfälle können als Reaktion auf emotionalen Stress und Gewalt auftreten.

Verhalten in Beziehungen

Gewaltopfer zeigen oft auffälliges Verhalten in zwischenmenschlichen Beziehungen.

  • Übermäßige Rücksichtnahme: Übertriebenes Bemühen, den Partner oder eine andere Person zu besänftigen, aus Angst vor negativen Reaktionen
  • Kontrolliert werden: Anzeichen dafür, dass die Person ständig überwacht oder kontrolliert wird, zum Beispiel durch häufige Anrufe des Partners oder durch Einschränkungen in ihrer Bewegungsfreiheit
  • Verstecken von Informationen: Das Opfer vermeidet es, über seinen Alltag zu sprechen oder Informationen zu teilen, aus Angst vor Reaktionen des Täters.

Indirekte Hinweise • [Fußnote: Engagement (2024).

Manchmal äußern sich Gewaltopfer indirekt über ihre Situation.

  • Andeutungen machen: Das Opfer könnte vage Andeutungen über seine Situation machen, wie „Ich muss vorsichtig sein“ oder „Ich darf das nicht machen“, ohne direkt über Gewalt zu sprechen.
  • Humor und Sarkasmus: Manche Opfer sprechen in sarkastischem Ton oder mit schwarzem Humor über ihre Situation, was ein Versuch sein kann, die Gewalt zu verarbeiten oder zu minimieren.

Die Anzeichen dafür, dass jemand Gewalt ausgesetzt ist, können subtil und vielfältig sein. Es ist wichtig, aufmerksam zu sein und sensibel auf mögliche Hinweise zu reagieren. Wenn mehrere dieser Anzeichen zusammenkommen, sollte man vorsichtig nachfragen und gegebenenfalls Unterstützung anbieten, ohne Druck auszuüben. Verständnis, Empathie und Geduld sind entscheidend, um einem möglichen Opfer zu helfen, sich zu öffnen und Hilfe zu suchen.

Im nächsten Schritt sehen wir uns die Auswirkungen von Gewalt auf ihre Opfer an. Wenn es keine offensichtlichen Anzeichen dafür gibt, können uns diese Auswirkungen einen Hinweis darauf liefern, ob jemand von Gewalt betroffen ist.