Social Scoring
„Social Scoring“ bezeichnet die Praxis, das Verhalten, die Eigenschaften und die Aktivitäten von Individuen oder Organisationen systematisch zu analysieren und auf Basis dieser Daten Bewertungen oder Punktesysteme zu erstellen, die bestimmte Eigenschaften, wie soziale Vertrauenswürdigkeit, Bonität oder konformes Verhalten, quantifizieren sollen.
Diese Bewertungen basieren auf der Erfassung, Verarbeitung und Auswertung einer Vielzahl von Datenquellen, darunter Online- und Offline-Aktivitäten, Social-Media-Beiträge, Finanzdaten, Konsumverhalten oder auch staatliche und institutionelle Daten. Ziel ist es, mithilfe dieser Scores Entscheidungen zu erleichtern oder zu automatisieren, beispielsweise bei der Kreditvergabe, der Zugangsbeschränkung zu Dienstleistungen, der Preisgestaltung oder der Überwachung und Steuerung von Verhaltensweisen. Ein prominentes Beispiel für Social Scoring ist das in China entwickelte „Sozialkreditsystem“, in dem Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen anhand ihrer Aktivitäten und ihres Verhaltens bewertet werden, was weitreichende Konsequenzen für ihren Alltag haben kann – etwa Vorteile wie bevorzugte Kreditvergabe oder Reiseerleichterungen, aber auch Sanktionen wie Zugangsbeschränkungen zu bestimmten Dienstleistungen oder Reiserestriktionen. In westlichen Ländern wird Social Scoring vor allem im Bereich der Privatwirtschaft angewendet, beispielsweise durch Kreditinstitute, die Bonität anhand von Scoring-Modellen bewerten, oder durch Versicherungen, die personalisierte Tarife basierend auf den gesammelten Daten zum individuellen Risikoverhalten festlegen.
Social Scoring wird dabei kontrovers diskutiert, da es nicht nur Effizienzgewinne und die Möglichkeit bietet, gezielte Anreize zu schaffen, sondern auch erhebliche ethische, rechtliche und gesellschaftliche Risiken birgt. Zu den kritischen Aspekten gehören Diskriminierung, fehlende Transparenz bei der Datenerhebung und -auswertung, der mögliche Eingriff in die Privatsphäre und die Gefahr der sozialen Kontrolle durch Überwachung und Verhaltenssteuerung. In Europa stehen solche Systeme unter der Kontrolle strenger Datenschutzgesetze, wie der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die eine unrechtmäßige oder intransparente Nutzung persönlicher Daten verbietet. Dennoch gibt es Bestrebungen, Scoring-Systeme auch in westlichen Ländern auszuweiten, insbesondere im Rahmen von Plattformökonomien, etwa durch Bewertungsmechanismen auf Plattformen wie Uber oder Airbnb, die Nutzerbewertungen für Transparenz und Vertrauen zwischen Nutzern fördern sollen. Wie im Bericht des Kompetenzzentrums Öffentliche IT hervorgehoben wird, stehen insbesondere staatlich eingesetzte Scoring-Systeme unter besonderer Beobachtung, da sie weitreichende gesellschaftliche Konsequenzen haben können. Die Einführung solcher Systeme wirft dabei die Frage auf, wie weit automatisierte Bewertungen in Entscheidungen eingreifen dürfen und ob sie zu einem Verlust individueller Freiheiten führen könnten. Social Scoring wird daher als eines der wichtigsten Themen im Spannungsfeld zwischen Technologie, Datenschutz, Ethik und Regulierung betrachtet.