9.2 Auswirkungen des Net Zero Industry Acts auf die PV-Branche
Einleitung und rechtlicher Hintergrund
Die europäische Energie- und Industriepolitik steht vor einer Phase beschleunigter Transformation. Klimaziele, geopolitische Spannungen und Erfahrungen mit fragilen Lieferketten haben die Einsicht gestärkt, dass eine erfolgreiche Dekarbonisierung nur mit einer widerstandsfähigen industriellen Basis möglich ist. Die Photovoltaik ist dabei vom Nischenprodukt zur tragenden Säule eines elektrifizierten Energiesystems geworden. Sie bietet eine kostengünstige, skalierbare und vergleichsweise schnell realisierbare Stromerzeugung und ist damit zentral für die Erreichung der europäischen Ziele bis 2030 und 2050. Zugleich zeigen sich strukturelle Verwundbarkeiten: Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung – Polysilicon, Ingot, Wafer, Zelle, Modul und Leistungselektronik – ist in den vergangenen Jahren außerhalb der EU konzentriert worden. Diese Konzentration hat Abhängigkeiten geschaffen, die sich bei Störungen in Handel, Logistik oder Politik unmittelbar auf Projekte und Preise auswirken. Genau hier setzt der Net Zero Industry Act an, indem er einen horizontalen Rechtsrahmen etabliert, der Industrie-, Klima- und Binnenmarktpolitik zusammenführt und die Resilienz der Lieferketten zu einem eigenständigen Ziel erklärt.