4.2 Bautechnische Grundlagen
In Europa wird Erhaltungsmanagement von Ingenieurbauwerken vorwiegend im Sinne einer „präventiven Erhaltung“ betrieben. Um Tragwerke auf einem konstanten Sicherheitsniveau zu halten und den ästhetischen Bedürfnissen der Nutzer gerecht zu werden, wird kalkulatorisch pro Jahr von einem mittleren Aufwand für die bauliche Erhaltung von 0,8–1,1 % des Wiederbeschaffungswertes ausgegangen. Diese Philosophie stammt einerseits aus einer ökonomischen Wachstumsperiode und andererseits aus einer Zeit, in der der Großteil der Brücken in einem noch verhältnismäßig jungen Alter war und daher relativ wenige Erhaltungsmaßnahmen notwendig waren. Inzwischen verursacht die Verfolgung dieser Strategie aber wesentlich höhere Kosten, da der Bedarf an Erhaltungsmaßnahmen mit zunehmendem Bauwerksalter mittlerweile beträchtlich gestiegen ist. Daher zeichnet sich mittlerweile der Trend nach Erhaltungsstrategien ab, die eine bestmögliche Verteilung des zur Verfügung stehenden Budgets auf alle zu erhaltenden Tragwerke erlauben. Die größte Herausforderung liegt nun darin, den Interventionszeitpunkt von Erhaltungs- (= Routinemaßnahmen, präventive Wartung) und Erneuerungsmaßnahmen (= Tausch maßgeblicher Bauteile) so zu wählen, dass aus der Erneuerung der größte Nutzen gewonnen werden kann. Der Einsatz von neuen Technologien wie der Zustandsüberwachung (Structural Health Monitoring, SHM) und darauf aufbauenden Bewertungsroutinen erweist sich in Zusammenhang mit dieser Erhaltungsphilosophie als vorteilhaft – vor allem dann, wenn Sicherheitsgrenzen erreicht werden.