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Sabine Petsch - Lea Verena Singer | Praxiswissen | Fachbeitrag

2.1 Gewaltpräventionsmatrix

Anbei ist eine Tabelle der Gewaltpräventionspraxis mit den jeweiligen primären, sekundären und tertiären Präventionsmaßnahmen abgebildet. Am Beispiel von häuslicher Gewalt soll es einen Einblick in die vielschichtigen Möglichkeiten von Handlungsoptionen geben, die zur aktiven Umsetzung einladen. Zu erkennen ist, dass unterschiedlichste Zugänge bestehen, um präventiv vor Gewalt zu schützen. Auch wirken verschiedene Maßnahmen teilweise übergreifend in mehreren Stufen der Prävention. Das richtige Modell, beziehungsweise das eine „Erfolgskonzept“ zu finden, ist aufgrund der diversen Ausgangslagen und Zielgruppen oft gar nicht möglich. Deshalb ist es in der gewaltpräventiven Begleitung wichtig und notwendig, individuell an die Person oder Personengruppe heranzutreten und wenn möglich, konkrete Interventionen gemeinsam zu erarbeiten und anschließend zu formulieren. Auch für die Umsetzung im Alltag kann ein Stufenplan die Nachhaltigkeit erhöhen.

Im Anschluss werden die speziellen Präventionsmaßnahmen anhand einer so genannten Gewaltpräventionsmatrix näher beschrieben. Diese Tabelle ist in ihrer vollständigen Version unter https://www.gewaltschutzzentrum.at/gewaltpraevention zu finden. Um eine leichtere Übersicht zu gewährleisten und den Fokus dieses Kapitels, nämlich häusliche Gewalt und Frauengewalt nicht zu verlieren, wurde die Matrix ein wenig abgeändert und ein paar in diesem Kontext wichtige Maßnahmen hinzugefügt.

Präventionsformen

Primäre (allgemeine) Prävention

Sekundäre (konkrete) Prävention

Tertiäre (postinzidente) Prävention

Opferbezogene Prävention

Selbstverteidigung und Selbstbehauptungskurse

Personenschutz

Krisenintervention durch Gewaltschutzzentren

 

 

Deeskalationsmaßnahmen

Psychosoziale und juristische Prozessbegleitung & Mediation

 

Aufklärung + Schulungen

Beratung durch Gewaltschutzzentren, Kinderschutzzentren, Frauen- und Mädchenberatung, Frauenhäuser und Männerberatung

Selbsthilfegruppen

Psychotherapie (Traumatherapie)

 

 

Opferambulanzen

Begleitete Paargespräche

 

Informationsmaterialien und Broschüren/soziale Medien

Unterstützung durch psychiatrisches Personal

 

 

Informationen vom Arbeitgeber

 

 

Prävention bezogen auf den/die Gefährder:in

Traumatherapie

Normverdeutlichende Gespräche durch die Exekutive (präventive Rechtsaufklärung)

Täter:innenprogramme

 

Bindungsunterstützte Erziehungshilfe

Betretungs- und Annäherungsverbot

Antigewalttraining

Bewährungsprogramme

 

 

 

Verpflichtende Beratung nach Betretungs- und Annäherungsverbot

 

 

 

Gerichtliche Weisungen und Auflagen

 

 

 

Psychotherapie

 

 

 

Strafen im Rahmen der General- und Spezialprävention

Situationsbezogene Prävention

Vernetzung

Stiller Notruf

Fallanalysen

 

Informationsaustausch

Polizeiliche Maßnahmen, wie zB Betretungs- und Annäherungsverbot

 

 

 

Sicherheitspolizeiliche Fallkonferenzen

 

 

 

Untersuchungshaft

 

Gruppenbezogene Prävention

Opferschutzgruppen

Schulmediationsprojekte

Soziales Lernen

Einsatz von Peer-Mediator:innen

Aufarbeitungsmaßnahmen nach Vorfällen

 

Fort- und Weiterbildungen für verschiedene Berufsgruppen zB: Richter:innen, Staatsanwält:innen, Psychotherapeut:innen, …)

Fachsupervision

 

 

Beratung für wohnungslose Frauen

 

 

 

Nachbarschaftsprojekte

 

 

 

Geschlechtssensible Mädchen- und Bubenarbeit

 

 

 

Kulturschulungen und Projekte für Migrant:innen

 

 

 

Informationskampagnen großer Arbeitgeber

Betriebsratgespräch

Betriebsmediator:in

 

Elternbezogene Prävention

Pränatale Programme (Eltern Kind Pass)

Geförderte Familienmediation

§ 107 verpflichtende Eltern-/Erziehungsberatung

Therapeutische Unterstützung

Besuchscafé für Familien

 

Traumatherapie für vulnerable Eltern

Maßnahmen durch die Kinder- und Jugendhilfe

 

 

Bindungs- und beziehungsbezogenes Elterntraining

§ 95 verpflichtende Elternberatung bei einvernehmlicher Scheidung

Unterstützung durch Kinderschutzzentren

 

Kontextbezogene Prävention

Kampagnen

Aktionen gegen Gewalt

Maßnahmen zur Sicherstellung des Opferschutzes

 

Relevante Grundlagenforschung

Öffentlichkeitsarbeit

 

 

Entwicklungs- und Evaluierungsprojekte

 

 

 

Gleichstellungsprogramme

 

 

 

Gesetzliche Grundlagen zur Gewaltverminderung

 

 

 

Reformvorschläge der Gewaltschutzzentren

 

 

 

Beteiligungsmöglichkeiten von Frauen im Erwerbsleben (wie zB Projekt Perspektive Arbeit)

 

 

 

Beteiligungsmöglichkeiten von Männern im Erziehungsleben

 

 

 

Aktionstage gegen Gewalt