2 Prävention
Das folgende Kapitel thematisiert die Grundzüge der Gewaltprävention, was man unter dem Begriff versteht und zwischen welchen Formen der Prävention man unterscheiden kann.
Was ist Prävention eigentlich? Prävention beruht auf einer tiefen Überzeugung, dass es bestimmte Handlungsmöglichkeiten gibt, welche Gewalttaten vorbeugen. Prävention, auch Verhütung, Vorsorgemaßnahme, Vorbeugung oder Prophylaxe genannt, zielt kurz zusammengefasst darauf ab, „Schlimmeres“ zu verhindern und rechtzeitig, beziehungsweise vorausschauend in Akutsituationen einzugreifen. Ziel der Gewaltprävention ist, das Verhalten von Personen zu beeinflussen, um in weiterer Folge Gewalt vorzubeugen. Wir verwenden das Wort Prävention fast täglich und in diversen Zusammenhängen und meinen zu wissen, was es bedeuten würde. Wenn man jedoch in die Tiefe blickt, merkt man, dass es für dieses Wort keine genaue und vor allem übereinstimmende Definition gibt. • [Fußnote: Vgl https://schulische-gewaltpraevention.de/index.php/handbuecher-gewaltpraevention/sekundarstufe/gewaltpraevention-sekundarstufe/grundlagen-gewaltpraevention/316-was-ist-gewaltpraevention., abgerufen am 13.08.2024.]
Prävention ist ein breitgefächerter Überbegriff, den man in drei Stufen einteilen kann: Primärpräventionen, Sekundärpräventionen, Tertiärpräventionen.
Primärpräventionen, allgemeine Präventionen
Zunächst gibt es Primärpräventionen, welche darauf abzielen, sowohl strukturelle als auch kulturelle Gleichstellung zu erreichen, um in weiterer Folge tradierte Gewaltmuster aufzulösen. Primäre Präventionen zielen auf die gesamte Bevölkerung ab und nicht auf einzelne Personen. Das bedeutet, dass Prävention nicht durch Einzelpersonen ermöglicht werden kann, sondern bestimmte Strukturen erforderlich sind, in denen es als Kollektiv möglich ist, zu sensibilisieren, präventive Maßnahmen zu etablieren und umzusetzen. Bestenfalls werden gesellschaftliche Auslöser der Gewalt erkannt und schnellstmöglich behoben.
Sekundärpräventionen, konkrete Präventionen
Die zweite Form der Prävention, Sekundärprävention, tritt erst dann ein, wenn Primärpräventionen nicht ausreichend angeschlagen haben. Verstanden wird darunter also das direkte Einschreiten in Akutsituationen der Gewalt. Erkennt man beispielsweise einen körperlichen Übergriff in der Öffentlichkeit, am Arbeitsplatz oder in einer Bar, sollte man schnellstmöglich intervenierende Maßnahmen setzen und Betroffenen somit sofortige Hilfe bieten. Ausführungsschritte aus dem Gewaltschutzgesetz sind einige der klassischen Beispiele für Sekundärpräventionen.
Tertiärpräventionen, postindizierte Präventionen
Die dritte Form der Prävention ist die Tertiärprävention, welche Maßnahmen wie beispielsweise Therapie, Mediation oder Beratung beinhaltet, die sowohl von Opfern als auch Täter:innen nach einer Gewaltsituation in Anspruch genommen werden können. Dies hilft einerseits Opfern bei der Verarbeitung des Geschehens, andererseits Täter:innen, um erneuten Gewalttaten entgegenzuwirken. • [Fußnote: Vgl https://www.gewaltschutzzentrum.at/gewaltpraevention/, abgerufen am 13.08.2024.]