3.1 Digital Workplace und Datenschutz
Digitalisierung verändert Unternehmen
Unternehmen versprechen sich viel von den Digital Workplaces:
- Flexible Zu- und Abbuchung von Arbeitsplätzen
- Schnelle Verfügbarkeit und Anpassung von IT-Ressourcen
- Höhere Mobilität der Arbeitnehmer
- Problemlose Eingliederung in bestehende Strukturen
- Deutliche Entlastung der IT-Abteilung zugunsten von Strategiethemen
- Verringertes Risiko für Datenverlust durch zentrale Speicherung
- Weniger Kosten und Aufwand für Systempflege
- Kostengünstigere Endgeräte (Laptop, Smartphone und Tablet) nutzbar wegen ausgelagerter Rechenleistung
- Gleiche Benutzeroberfläche auf allen Endgeräten durch mobiles Arbeiten in der Cloud
- Bestellung zusätzlicher Applikationen und Services durch den Anwender über ein Self-Service-Portal
Digitalkompetenzen fehlen: Doppeltes Risiko ist die Folge
Leider fehlen vielfach die entsprechenden Fachkräfte, um die Digitalisierung wie gewünscht voranzubringen. Nicht nur die erhofften wirtschaftlichen Vorteile der Digitalisierung können dadurch nicht im vollen Umfang erzielt werden. Auch für den Datenschutz hat der Fachkräftemangel deutliche Folgen, denn die Technologien sind verfügbar und werden vielfach genutzt, ohne dass die Fachkenntnisse vorliegen.
Ohne digitalen Datenschutz und Datensicherheit geht es nicht
Jedes zweite Unternehmen in Deutschland wollte schon 2017 virtuelle IT-Arbeitsplätze aus der Public Cloud und damit Digital Workplaces bereitstellen, so die IDC-Studie „Advanced Workplace Strategies in Deutschland 2016”. Das Motto lautet „Any Place, Any Time”. Technisch bedeutet dies eine geräteunabhängige Bereitstellung von Applikationen und Dokumenten. Jeweils 45 Prozent der befragten IT-Entscheider wollen laut IDC durch den Digital Workplace den Anwender-Support sowie die Zugriffsrechte vereinfachen. Dieser Trend wurde durch die jüngsten Ereignisse und die damit einhergehende Verbreitung der dezentralen Arbeit im „Homeoffice“ nur noch weiter verstärkt.
Dabei darf aber nicht vergessen werden, dass eine möglichst einfache Zugriffsmöglichkeit auf Daten und Dokumente von jedem beliebigen Gerät aus schnell zu einem Datenschutzproblem werden kann, wenn die technisch-organisatorische Umsetzung und die Datensicherheit nicht stimmen.
Datenrisiken und Sicherheit am Digital Workplace
Risiken am digitalen Arbeitsplatz
Die Gefahren bei der Nutzung von Digital Workplaces sind:
- Ungewollter Datenabfluss/Datenpanne durch versehentliche Datenfreigaben
- Verletzung der internen Sicherheitsrichtlinien
- Fehlende Datensicherung für lokal gespeicherte Daten
- Mangelnde Verfügbarkeit durch Systemausfall, unzureichende Bandbreite
- Veraltete und falsche Berechtigungen und Rollen bei den Nutzern
- Abhängigkeit vom Dienstleister (Lock-in-Effekt)
Lösungen für das Digital Workplace Management
Verschiedene Anbieter und Lösungen haben sich des Managements der Digital Workplaces angenommen und bieten zudem Funktionen für die Datensicherheit bei digitalen Arbeitsplätzen. Je nach Anbieter sehen solche Lösungen vor:
- Eine integrierte Lösung zur Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), die private Smartphones und Tablets als Authentifizierungs-Tokens verwendet
- Single-Sign-on-Zugriff auf Web-, Native-Mobile- oder Windows-Anwendungen des Unternehmens
- Verhinderung des Tracking und Reporting von sensiblen Informationen wie GPS, Geräte-Kennzeichen und persönliche Anwendungen
- Administrationsfunktionen wie Zugangskontrollrichtlinien, Geräteprüfung aus der Ferne und Lifecycle-Management für die Geräte
- Onboarding und Offboarding von Mitarbeitern: Zugriffsrechte für eine App oder einen Service werden automatisch zugewiesen oder entzogen, wenn sich die Rolle oder das Aufgabenfeld eines Mitarbeiters ändern
- Kontrolle über Endgeräte: Die IT kann Anwendungen, Webseiten, Datenquellen, Drucker und IP-Verbindungen sperren und verhindern, dass Daten vom Netzwerk auf ein USB-Speichergerät übertragen werden
- Application Whitelisting: Durch Whitelists lässt sich kontrollieren, welche Anwendungen und Dateien ausgeführt werden dürfen
- Compliance und Risikomanagement: geschützte Audit-Trails zur Kontrolle der Benutzerzugriffe, wichtig für interne und externe Compliance Audits
Weitere Entwicklung des Digital Workplace
Trotz Digitalisierung: Das Papier bleibt
Lösungen, die bei der Realisierung eines Digital Workplace helfen, gibt es somit. Auch eine Reihe von Funktionen für die Datensicherheit steht dabei zur Verfügung. Was fehlt, ist die Umsetzung des Digital Workplace Management. Was allerdings auch nicht vergessen werden darf: Das wirklich digitale, papierlose Büro gibt es (noch) nicht flächendeckend.
Wenn es um Datenschutz im digitalen Zeitalter geht, sollte immer auch daran gedacht werden, dass wir erst auf dem Weg hin zum Digital Workplace sind. Deshalb müssen alle Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten immer den Blick auf die klassische und auf die digitale Arbeitswelt legen. Sonst werden die klassischen Datenrisiken übersehen und zu einer wachsenden Gefahr.