1.8.1 Beispiel
Arzt A und Arzt B möchten sich zu einer Gruppenpraxis zusammenschließen. Beide möchten zu diesem Zweck ihre Ordinationen übertragen und eine GmbH gründen.
Ärzte, die ihre Tätigkeit über ein Einzelunternehmen/Personengesellschaft betreiben, erzielen Einkünfte aus selbstständiger Arbeit gem § 22 EStG. Da Ärzte Freiberufler sind, sind diese unternehmensrechtlich nicht rechnungslegungspflichtig kraft § 189 Abs 4 UGB, somit auch steuerlich nicht buchführungspflichtig gem § 124 BAO. Sie ermitteln ihren Gewinn gem § 4 Abs 3 EStG (Einnahmen-Ausgaben-Rechnung).
Daher ist per Einbringungsstichtag (max 9 Monate rückwirkend) ein Wechsel der Gewinnermittlungsart gem § 4 Abs 10 EStG durchzuführen und eine Schlussbilanz aufzustellen, in welche das übertragene Vermögen Eingang findet.
Schlussbilanz Ordination A 31.12.JJJ1 | |||||
Grundstück | EUR | 150.000,00 | EK | EUR | 370.000,00 |
Gebäude | EUR | 350.000,00 | Darlehen | EUR | 450.000,00 |
BGA | EUR | 140.000,00 |
|
|
|
Bank | EUR | 100.000,00 |
|
|
|
Forderungen ÖGK | EUR | 80.000,00 |
|
|
|
| EUR | 820.000,00 |
| EUR | 820.000,00 |
Verkehrswert: EUR 500.000,–
Übergangsgewinn: EUR 80.000,– (Forderungen ÖGK)
Schlussbilanz Ordination B 31.12.JJJ1 | |||||
BGA | EUR | 100.000,00 | EK | EUR | 50.000,00 |
|
|
| Darlehen | EUR | 50.000,00 |
| EUR | 100.000,00 |
| EUR | 100.000,00 |
Verkehrswert: EUR 200.000,–
Übergangsgewinn: EUR 0,–
Einbringungsbilanz Ordination A 31.12.JJJ1 | |||||
Grundstück | EUR | 150.000,00 | Einbringungskapital | EUR | 370.000,00 |
Gebäude | EUR | 350.000,00 | Darlehen | EUR | 450.000,00 |
BGA | EUR | 140.000,00 |
|
|
|
Bank | EUR | 100.000,00 |
|
|
|
Forderungen ÖGK | EUR | 80.000,00 |
|
|
|
| EUR | 820.000,00 |
| EUR | 820.000,00 |
Einbringungsbilanz Zusammenschlussbilanz Ordination B 31.12.JJJ1 | |||||
BGA | EUR | 100.000,00 | Einbringungskapital | EUR | 50.000,00 |
|
|
| Darlehen | EUR | 50.000,00 |
| EUR | 100.000,00 |
| EUR | 100.000,00 |
Übernahmebilanz GmbH 01.01.JJJ2 | |||||
Grundstück | EUR | 150.000,00 | Stammkapital | EUR | 10.000,00 |
Gebäude | EUR | 350.000,00 | Ungebundene KRL | EUR | 420.000,00 |
BGA | EUR | 240.000,00 | Darlehen | EUR | 500.000,00 |
Forderungen ÖGK | EUR | 80.000,00 |
|
|
|
Bank | EUR | 110.000,00 |
|
|
|
| EUR | 930.000,00 |
| EUR | 930.000,00 |
Die positiven Einbringungskapitalien sind in der ungebundenen Kapitalrücklage zu verbuchen. Die „un“gebundene Kapitalrücklage ist nur bei Kleinst- und kleinen GmbH möglich. Die ungebundene Kapitalrücklage kann wieder aufgelöst werden und als Einlagenrückzahlung gem § 4 Abs 12 EStG wieder an die Gesellschafter ausbezahlt werden. Zu beachten ist, dass sich die Anschaffungskosten der Anteile dementsprechend verringern, was Auswirkungen bei einem späteren Verkauf hat, bei dem der rückbezahlte Betrag wieder nachversteuert wird.
Das Beteiligungsverhältnis an der GmbH nach der Einbringung beträgt im Verhältnis der Verkehrswerte (Umtauschverhältnis):
A: EUR 500.000,00 = 71,43 %
B: EUR 200.000,00 = 28,57 %
In diesem Verhältnis werden in Zukunft die Gewinne steuerlich verteilt und auf Ebene der Gesellschafter A und B versteuert.