9.6 Täterkreis und Opfer
Die Gründe und Motive für Bilanzfälschungen können vielfältig sein. Werden Parallelen aus bereits begangenen Bilanzdelikten gezogen, begannen diese oft mit oder vor Unternehmenskrisen. Im Fall bereits begangener Führungsmängel oder betriebswirtschaftlicher Fehler ist es häufig das Ziel, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage besser darzustellen oder sogar Insolvenzen hinauszuzögern. Häufig beginnen Manipulationen mit einer „kleinen Korrektur“ an Umsatz oder einer Aufwandspost. Meist entwickeln sich Bilanzdelikte in Schritten und führen zum sog Schneeballeffekt. Dies bedeutet, dass eine kleine Fälschung in weiterer Folge zusätzliche Verschleierungsmaßnahmen mit sich bringt und Manipulationen immer größere Dimensionen annehmen (müssen) und wiederum weitere Maßnahmen zum Spuren-Verwischen erfordern. Mit der Zeit können diese dann oft nur mehr erschwert verheimlicht werden oder aber ein kleiner Fehler bringt das Potemkinsche Dorf zum Vorschein und Einsturz.
Kennzeichnend für die Bilanzdelikte ist auch, dass sich die Tathandlungen auf einen höchst unterschiedlichen Täterkreis beziehen, das sind:
- Mitglied/er eines (nach außen) vertretungsbefugten Organs (Vorstand, GmbH-Geschäftsführung)
- Mitglied/er des Aufsichtsorgans
- Liquidator/en, Insolvenzverwalter
- Mittäter bzw Mitwisser, Erfüllungsgehilfen oder Anstifter; dies ist in der Praxis sehr oft der Fall, da Bilanzdelikte in Unternehmen ohne Mitwisser nicht von einem/r Einzelnen durchführbar sind